Wie kann trotz steigender Baukosten mehr Wohnraum im Unterallgäu entstehen? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer gut besuchten Fachtagung im Türkheimer Waaghaus. Rund 80 Teilnehmende aus dem gesamten Landkreis Unterallgäu sowie aus der Stadt Memmingen – darunter Bürgermeister, Seniorenbeauftragte, Quartiersmanager, Vertreter von Vereinen, Offenen Hilfen, Inklusionsbeauftragte und ein Vertreter des Jobcenters Mindelheim – diskutierten gemeinsam über Lösungsansätze.
Marion Hemmer-Bachmann, Sprecherin des Arbeitskreises Wohnen im Netzwerk Altenhilfe und seelische Gesundheit Memmingen/Unterallgäu, eröffnete die Veranstaltung. Sie machte zugleich auf die dramatische Prognose aufmerksam: Bis 2030 könnten in Deutschland rund 900.000 Wohnungen fehlen. Steigende Rohbaukosten und verschärfte energetische Standards verschärften die Situation zusätzlich.
Im ersten Fachvortrag stellte Florian Schuster, Geschäftsführer des Landkreiswohnungsbau Unterallgäu, die Vorteile genossenschaftlichen Bauens vor. „Wir sind die einzigen, die noch bezahlbare Wohnungen neu bauen“, erklärte Schuster und präsentierte erfolgreiche Projekte in Benningen, Bad Grönenbach, Ottobeuren, die Tagespflege in Ettringen sowie die neue Ortsmitte in Sontheim. Auch in Türkheim seien bereits Mehrfamilienhäuser realisiert worden. Mit Blick auf die Zukunft forderte Schuster flexiblere Gebäudeplanungen sowie eine Anpassung aktueller Baustandards.
Aus dem Plenum kamen Fragen zur Barrierefreiheit und zur Möglichkeit, Wohnraum bedarfsabhängig zu tauschen. Trotz positiver Beispiele, so wurde deutlich, ist die praktische Umsetzung eines Wohnraumtauschs – selbst bei attraktiven Konditionen – weiterhin schwierig.
Im zweiten Vortrag widmete sich Anja Preuß, von der Koordinationsstelle Wohnen im Alter, dem Thema Bürgerbeteiligung. Sie betonte, wie wichtig es sei, die Bevölkerung frühzeitig einzubeziehen und den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln. „Auch die Betroffenen selbst müssen sich fragen: Wie will ich im Alter wohnen?“ Als geeignete Instrumente nannte sie Fragebogenaktionen, Themenstammtische, Workshops und Arbeitskreise. Die Wohnungsnot im ländlichen Raum betreffe nicht nur ältere Menschen, sondern ebenso junge Familien und Menschen mit Behinderungen – also besonders vulnerable Gruppen.
Die Fachtagung bot zahlreiche Impulse und einen intensiven Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren. Deutlich wurde, dass sich Parallelstrukturen durch gute Vernetzung vermeiden lassen. Eine einfache Lösung, wie der Wohnungsbau in den kommenden Jahren spürbar beschleunigt werden kann, konnte jedoch auch hier nicht präsentiert werden. Klar ist: Die Region steht vor großen Herausforderungen – und nur gemeinsames Handeln kann langfristig zu mehr bezahlbarem Wohnraum führen.